Ausgabe A 6. Jahrgang Baden-Baden, 21. Juli 1951 ı Nr. 29°

Fachzeitschrift für das deutsche Filmwesen

Aus dem Inhalt

Produktion mit bürokratischen Kreislaufstörungen

Filmdebatte an der Ruhr fordert innere Wahrhaftigkeit

Die Wissenschaft vom Zuschauer

Starker Andrang nach Berlin

Constantin mit neuen deutschen Filmen

Francis, Tokio und „Kon-Tiki” sechs reue Hollywood-Filme

Filme im Spiegel der Kritik

PREIS

D-PFENNIG

Errol Flynn, der Don Juan der Leinwand

erscheint wıeder mehrfach im kommenden Warner-Programm, zunächst als „Günstling einer Königin“. Foto: Warnar Bros.

Keine Einfuhrgenehmigung für „Frühling auf dem Eis“ Das Bundesministerium für Wirtschaft weist in

einem Schreiben an den Lloyd-Filmverleih dar-

auf hin, daß es bei Abschlußverhandlungen des Verleihs mit den Theaterbesitzern für den öster- reichischen Film „Frühling auf dem Eis“, der im September wieder im Großeinsatz herauskom- men soll, erforderlich scheint, ausdrücklich dar- auf aufmerksam zu machen, daß für diesen Film eine Einfuhrgenehmigung nicht vorliegt und hin- sichtlich der Erteilung einer solchen Genehmi- gung seitens des Bundeswirtschaftsministeriums Zusagen nicht gemacht worden sind.

Orlando-Film beginnt mit den Außenaufnahmen, zu „Mein Freund der Dieb“

Der Aufnahmestab der Orlando-Film ist unter Führung von Produktionsleiter P. P. Kaimer in Hannover eingetroffen, um hier mit den Außenaufnahmen zu der Filmkomödie Freund der Dieb“ zu beginnen. Drehbuchautor und Regisseur ist Helmut Weiss, hinter der Kamera steht Erih Claunigk, die Bauten erstellt Walter» Haag, für die musikalische Unterhaltung sorgt Werner Bochmann. Im Schneideraumssitzt Anneliese Schonenbeck, den Ton steuert Heinz Martin. Als Re- gie-Assistentin fungiert Ilona Juranyi, die Aufnahmeleitung hat Fritz Anton. Als Haupt- darsteller wirken VeraMolnar, Hans Söhn- ker, Hardy Krüger, Theodor Danneg- ger, Olga Tschechwa und Marianne Koch mit. Nach den Aufnahmen in Hannover, die eine Woche dauern, dreht das Aufnahmeteam der

Orlando zunächst auf Schloß Hardenberg bei .

Göttingen und im Gestüt Hundesrück bei Ein- beck, um dann in Göttingen ins Atelier zu ge- hen, RR

Lingen-Film in Tempelhof begonnen Unabhängig von München wurde jetzt auch in Berlin mit dem Sitz in Berlin-Schöneberg, Nau- mannstraße, eine Apollo-Film-Produktion ge- gründet, die von den Herren Hoffmann-Ander- sen und Willeg geleitet wird. Die Firma begann in den Tempelhofer Ateliers mit den Aufnah- men zu einem neuen Theo Lingen-Film, der den Titel „Durch DiekundDünn' trägt. Theo Lingen, (der mit Fritz Eckhardt das Drehbuch verfaßte, führt selbst Regie. An der Kamera: Herbert Körner. Es spielen neben Lingen Fita Benkhoff, Grethe Weiser, Hans Richter, Carola Höhn, Walter Müller, Siegfried Breuer, Jacob Tiedtke, Lucie Englisch, Kurt Pratsch-Kaufmann, Dietrich Kühnel, Hannes Hübner und Tessie Kuhls. Die maschinelle Hauptrolle spielt ein Ford-Wagen, Baujahr 1904. (rd)

Unda-Film „Ein klarer Fall“

Um mehrfach aufgetretenen Mißverständnissen zu begegnen, teilen die Gesellschafter der Unda-Film, München, Rudolf Krohne und Dr. Walter Koch, mit, daß in letzter Zeit veröffent- lichte Stoffe, denen das Beichtgeheimnis zu- grunde liegt, mit dem von Unda-Film bereits am 31. 5. 1950 angemeldeten und im Titelregister der Freiwilligen Selbstkontrolle unter Nr. 259 am 5. 6. 1950 eingetragenen Stoff „Ein klarer Fall“ nicht: verwechselt werden dürfen. Den dramatischen Handlungskern dieses Unda-Vor- habens bildet ein Todesurteil und die Schilde- rung des wahren Sachverhalts durch den Mörder

unter dem Siegel der Beichte. Im Interesse sorg- °

fältiger Vorbereitung des Films wurde seiner- zeit der jahreszeitlich gebundene Drehbeginn auf diesen Sommer verschoben.

Prisma-deutsche sehr aktiv

Neben dem kürzlich fertiggestellten Central Europa-Film „Es geht nicht ohne Gi- sela“ übernimmt Prisma, wie schon gemeldet, den CCC-Film „Sündige Grenze‘, der zur Zeit in Berlin-Spandau unter der Regie von R. A. Stemmle mit Inge Egger, Dieter Borsche, Peter Mosbacher und Jochen Hinz in den Haupt- rollen gedreht wird, in Verleih. Der nächste CCC-Film „Zigeuner-Romanze" unter der Regie von Hans Deppe wird ebenfalls bei Prisma herauskommen.

Franz Molnar im Filmatelier

Samuel Goldwyn beabsichtigt, eines der jüngsten Schauspiele von Franz Molnar „Musizierende Engel“ zu verfilmen, Ruth Ro- man wird für die Hauptrolle von Warner Bros. ausgeborgt werden.

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„Mein '

in

„Die Dame in Schwarz“ fertiggestellt

In München wurden jetzt die Musikaufnahmen (Komponist Adolf Steimel) und die Synchron- arbeiten für den Dornas-Film „Die Dame in Schwarz“ durchgeführt, so daß damit dieser Film endlich und endgültig fertiggestellt ist. Regie hatte bekanntlich Erich Engels, die Hauptrollen spielten Paul Hartmann, -Mady Rahl, Rudolf Prack, Inge Egger und Rudolf Schündler. 5

Außenauinahmen zum französischen Luther-

Film in Deutschland

Für Mitte August ist der Drehbeginn zu dem französischen Luther-Film vorgesehen, zu dem Roland Landenbach jetzt das Drehbuch fertig- stellte. Jean Delannoy inszeniert mit Pierre Fresnay in der Hauptrolle. Die Außenaufnah- men (des Films, der hauptsächlich in Erfurt, Wittenberg und Worms spielt, sollen in Deutschland gedreht werden.

Eine Lektion Demokratie: „Die Frauen des

Herrn S.“

Gleichzeitig mit der Jahreshauptversamm- lung der Filmproduzenten tagte auch in Wies- baden der zum ersten Male zusammiengerufene Juristen-Ausschuß der ' Freiwilligen Selbst- kontrolle, um über „Die Frauen des Herrn S.“ einen endgültigen Entscheid zu treffen. Von Pressevertretern daraufhin angesprochen, meinte Pontus - Produzent Fritz Kirchhoff

lächelnd, daß er bei seiner Befragung durch -

den Juristen-Ausschuß eine so gehörige Lek- tion über Demokratie erhalten habe, daß er sich nun selbst nicht mehr recht auskenne und wohl oder übel nun auch die Juristen mit Kampendoncks demokratischen Spritzern zu den „Frauen des Herrn S." fertigwerden müß- ten. Er habe seinen Standpunkt nicht geändert, hoffe jedoch, daß auch die Juristen nicht nur im Dunkeln über die amüsanten Stellen dieses Films lächeln, sondern dem deutschen Kino- besucher diese Portion Demokratie nicht vor- enthalten würden. A. St.

Kein Autorenwettbewerb der Biennale Zu der von der Pressestelle der Spio uns übemittelten und in Nr. 26/51 veröifentlichten

Nachricht über einen Wettbewerb für Film- . -drehbücher im Rahmen der XII. Biennale in

Venedig, teilt die Direktion der Biennale mit, daß dieser Wettbewerb zwar. im Vorjahr aus- geschrieben war, in diesem Jahr aber nicht stattfindet.

A. O. Weitzenberg distanziert sich

Zu den der Presse zugegangenen Berichten über die Gründung einer Filmgenossenschaft auf Anteilscheine in Berlin (G. ©. Stindt), die als erstes Projekt den Farbfilm „Die Biene Maia und ihre Abenteuer“ bekanntgab, teilt uns Re- gisseur-Kameramann A. O. Weitzenberg, der schon 1926 den Stummfilm „Biene Maja“ auf- nahm, mit, daß das Recht der Neuaufnahme die-

Einen kräftigen Zug hat die Dame! - Kein Wunder, wenn man erfährt, daß unter Lockenkopf und Tüllkleid sich niemand anders als Dieter Borsche verbirgt, der in seinem: neuen Film „Fanfaren der Liebe“ einen Platz in einer Damenkapelle einzunehmen

‘hat. Die Verwandlung ist verblüffend.

Foto: NDF/Schorcht-Film/von Mindczenty

ur

"= ses Films nach einem Abkommen mit dem Dich-

ter in der Hand von Weitzenberg ist, der sich von den Mitteilungen G. O. Stindts nachdrüc- lich distanziert. „Die Biene Maja“ war somit lediglich ein Lockmittel der Neugründung einer Genossenschaft. An der Ausführung des .Films arbeitet Weitzenberg mit Svend Noldan, der auch schon für den ersten Biene-Maja-Film seine Entwürfe beigesteuert hatte.

Wir stellen nochmals fest, daß sich auch der

Verband der Filmschaffenden von dieser Neu-.

gründung des wie es in der Tagespresse all- gemein hieß früheren „Filmproduzenten* G. O. Stindt distanziert hatte. - (rd)

Filmgeschäftsführer flüchtig

Der Verband der Filmschaffenden in Berlin teilt mit, daß sein früheres Mitglied Gerhard Niziera, Filmtheaterleiter und Filmgeschäftsfüh- rer, geb. 10. 9. 09 in Strassburg/Westpr., zuletzt wohnhaft in Berlin, mit mehreren tausend DM veruntreuter Gelder flüchtig ist. Da angenom- men werden muß, daß N., der seinen VdF-Mit- gliedsausweis noch in Händen hat, andernorts Vertrauen zu erwecken sucht, wird vor ihm ge- warnt. (rd)

Filmtheater im Zeichen des Kirchentags

Ein großer Teil der Berliner Filmtheater war- tete anläßlich des Evangelischen Kirchentags mit einem täglich wechselnden Spielplan auf. Ge- zeigt wurden in erster Linie die Filme „Nacht- wache“, „Es kommt ein Tag“, „Der fallende Stern“ und „Es war ein Mensch“. Ein Dokumen- tarfilm über den Kirchentag wurde von Kamera- mann H. O, Schulze gedreht. Er bringt Aufnah- men sowohl aus dem westlichen wie aus dem östlichen Berlin. (rd)

Dr. Karl Walther Kluger gestorben

Wenige Wochen zuvor noch saß er tagaus, nachtein neben uns in der gleichen Reihe des Berliner Titania-Palastes, um die Berliner Film- festspiele zu erleben und über sie auszusagen, was er als wesentlich empfand. Dann fuhr er in das holsteinische Bad Hohwacht zu einem kur- zen Urlaub, den er nun ausdehnte in die Ewig- keit. K.W.K., wie man ihn nach seinen Initia- len nannte, jahrelanger, umsichtiger Feuilleton-

Redakteur des Berliner „Tagesspiegel“ und des- x

sen erster Filmkritiker, erlag noch nicht ein- mal 42 Jahre alt einem Herzschlag. Seine Berliner Kollegen stehen fassungslos an der Bahre eines Mannes, der stets die Sache, um die es ihm ging, vor die Person stellte, der zu kei- ner Stunde Aufsehens. von sich selbst machte, aber stets, wenn er zur Feder griff, seinen Le-

sern Wesentliches zu sagen hatte. In: dem sym-

pathischen Kattowitzer, der in München zum Dr. phil. promovierte, ging dem Berliner Journalis- mus viel zu früh ein arbeitsamer, ein Besessener seines Berufs verloren. Wer Karl Walther Klu- ger kannte, wird ihn weder als’ Kollegen noch als Menschen, der das Leben liebte, vergessen. H.R.

Schnell nach lesen

+. daß Gisela Schmidting und Peter Schütte die Hauptrollen in Fred Raymonds „Maske in Blau“-Operette singen, mit der die Hamburger Volksoper im Staatlichen Schauspielhaus/Hamburg gastiert. ;

-.. daß Willy Fritsch für den „Dubarry“-Film der Standard-Europa verpflichtet wurde.

«+. daß Hardy Krüger und BruniLöbelan Schwei- karts Münchner Kammerspielen Hugh Herberts „Wolken sind überall“ zur deutschen Erstaufführung bringen werden und Vertrag vom 1. 9. bis 15. 11. 51 haben. Man erwartet einen Serienerfolg, ähnlich dem „Lied der Taube“, und hat Helmut Käutner als Regisseur in Aussicht genommen.

-.. daß Leopoldine Konstantin, die in dem Hitch- cock-Film der RKO „Weißes Gift“ neben Ingrid Bergman, Cary Grant und Reinhold Schünzel in einer Hauptrolle er- scheint, in Bremen am 23. 7. eine Bühnentournee als „Erste Frau Selby“ beginnt. ;

-- . daßErihEngelmit JutScheuundErnstNeb- hut die Drehbucharbeit für den neuen Real-Film „Kom- men Sie am Ersten“ beendet hat und in Kürze in Herbert Kirchhoffs Bauten im Wandsbek-Atelier drehen will. Dem Film liegt eine Zeitparodie auf die allgemeine Geldknappheit zugrunde.

-.. daß Zarah Leander in Buenos Aires mit Peter Kreuder und seinen Jazz-Sinfonikern (40 Mann) kon- zertierte und einen Farbfilm in Wien drehen soll.

«+. daß Dr. Ulrih K. T. Schulz für Roto-Film in der Nordsee einen Meerestierfilm dreht, der in einer Schul- fassung für Lehrzwecke sowie in einer dokumentarischen Form als Beiprogramm in den Filmtheatern zum Einsatz kommen wird.

-».. daß Emmy Höll, Hamburgs bekannteste Hotel- besitzerin, während einer Kur in Bad Oldesloe plötzlich einem Herzschlag erlag. Emmy galt als „Künstlermutti“, bei der jeder, der in Hamburg filmte oder Theater spielte, sein Herz ausschütten konnte. Sie hatte Verständnis und Herz für alle, fehlte bei keiner Theaterpremiere; und wenn Emmy Höll einmal nicht zur Filmarbeit in Hamburg-Wands- bek, Bendestorf, in Göttingen, Geiselgasteig oder Thiersee erschien, fehlte der gute Stern. Alle vermissen sie schmerzlich, die sich von ihr helfen lassen konnten,

Amerik. Universal Spielfieber

(A Lady gambles)

Hier wird der Betrachter in die SpieIhöllen Amerikas geführt, in denen die Frau eines Journalisten dem unheil- vollen Laster verfällt. Sie vermag nicht zu sagen, wie es geschah; der Spieltrieb fing sie nach den ersten schüch- ternen Versuchen ein, das Fieber läßt sie nicht mehr frei und zerrütiet ihre Ehe und ihr Leben, Abwärts geht es von Stufe zu Stufe bis in die letzte Kaschemme und endet mit ein paar kräftigen Fausthieben, die unsere Haupt- darstellerin erst im Krankenhaus wieder erwachen lassen, in dem. sie durch einen: Fenstersturz das verkrachte Leben enden will. Da_aber inzwischen der immer ‘besorgte Gatte dem Arzt in schonungsloser Offenheit die wahren. Ver- hältnisse klargelegt hat, gelingt es diesem, durch Schock- wirkung die nahende Umnachtung zu vertreiben.

Bedauerlich, daß auch hier das Problem wieder nur da- durch gelöst werden konnte, daß man die Patientin an Depressionen leiden ließ, die ihr von Jugend auf durch die ältere Schwester eingeimpft wurden. Aber Michael Gor- don als Regisseur vermag dennoch mit Rückblendenhilfe dem Spiel Spannung zu verleihen. Durch Originalauinahmen aus den Spielhöllen erhält der Film bisweilen sogar doku. mentarischen Charakter. Da zudem die Schauspieler Barbara Stanwyck, Robert Preston und Stephen McNally mit der Landschaft die zwingende Natür- lichkeit gemein haben, sollte der Film in den Theatern sein Publikum finden.

Die Mosaik-Synchronisation stellt durchaus zufrieden.

Eine‘ Universal-International-Produktion im Amerikani- schen Universal-Filmverleih. Vorführdauer: 95 Minuten. Deutsche Erstaufführung am 15. 6, 1951 in der Kamera in Düsseldorf. Jugend- und Feiertagsverbot, H.R,

Amerik. Universal

Verfemt

(Kid from Texas)

Billy „the Kid“, eine Gestalt der amerikanischen Sage, die man mit dem deutschen Schinderhannes vergleichen könnte, steht im Mittelpunkt dieses von Kurt Neumann nach einem Drehbuch Robert Hardy Andrews‘ gedrehten Farbfilms. In einer spannenden Szenenfolge erlebt man die Tragik des verspielten Lebens eines jungen Cowboys, der mit seinen 21 Jahren bereits 21 Menschenleben auf dem Gewissen hat und schließlich selbst durch eine Kugel sein Leben verliert. Als Mörder wird er verfemt und gejagt, ob- gleich er nur ein Rächer böser Taten ist.

In wildwestlicher Manier hat man dieser Geschichte aus dem Mexiko der 80er einen edlen Hintergrund gegeben. Die Regie vermied aber die Schablone, das Unmögliche, das Reißerische, ohne mit Schießereien und Reiterattacken zu sparen. Die Spannung, die dieser Film auslöst, ist enorm, und die farbenprächtigen Bilder erhöhen die Wirkung. Audie Murphy, ein junger sympathischer Drauigänger, der im letzten Weltkrieg die meisten amerikanischen Aus- zeichnungen erhielt, versteht mit dem Schießeisen umzu- gehen wie kaum einer seiner Wildwest-Kollegen. Gale Storm, Albert Dekker, Sheppard Strudwick, Will Geer u.a. sind mit von der Partie und haben nicht minder Anteil an dem großen Erfolg dieses. von Charles Van Enger aus- gezeichnet fotografierten Farb-Western, Die Synchronisation ist ohne Fehler.

Ein Film, der geschäftlich seinen Weg machen wird.

Ein Universal-International-Film im amerik. Universal- Film-Verleih. Läuge: 2137 m. Jugendverbot. Erstaufgeführt in der Tonhalle in Bochum, Heinz Götte

Centfox

Adoptiertes Glück

(Sun Valley Serenade)

Erst vier Jahre (in der US-Zone fünf bis sechs) sind ver- gangen, seit dieses liebenswürdige, musikbeschwingte Film- lutspiel aus dem amerikanischen Skiparadies in Original- fassung mit Untertiteln die deutschen Filmtheater erfolg- rech durchlief. Nun startet es als Neuaufführung in de ut- scher Fassung und sollte nun erst recht Gefallen finden, mehr noch als die meisten amerikanischen Musik- und Revue-Filme, die oft vom Mentalitätsunterschied USA- Deutschland belastet sind.

In dieser: Geschichte von dem norwegischen Flüchtlings- mädel, das von einer US-Jazzkapelle adoptiert wird und sich mit List und Klugheit einen Mann fürs Leben angelt, liegt soviel Herzliches und Erfrischendes, daß sie die deut- schen Zuschauer genauso angenehm und unterhaltsam ge- nießen wie die Amerikaner. „Häseken“ ‘Sonja Henie wird niemand die kleinen Intrigen übelnehmen, mit denen sie ihren Pianisten (John Payne) aus den Armen seiner schlagersingenden Freundin manövriert und unter die eigenen Fittiche bringt. Regisseur H. Bruce Humber- stone gab auch ihren Eislauf-Szenen und den bekannten Musiknummern von dem inzwischen ums Leben gekom- menen Glenn Miller und seinem Orchester den gebüh- renden Spielraum, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Und nicht zu vergessen: Der schnittlose Steptanz des Neger- trios, eine Variet&-Nummer von Weltrang!

Eine Produktion der 20th-Century-Fox im Verleih der Centfox in deutscher Sprache (Musiknummern in Original- fassung). Jugendfrei und Feiertagsverbot. Länge: 2350 Me- ter, Laufzeit: 86 Minuten. Wiederaufführung in :Kürze.

K. O. Gebert

Centfox -

In geheimer Mission.

».. haben hier Dick und Doof alias Stan Laurel und Oliver Hardy als Privatdetektive eine neuerfundene „Wasserstofisuperoxyd-Bombe“, deren Wirkung alle Arten von Atombomben in den Schatten stellt, zu bewachen und zu transportieren. Das geschieht mit der üblichen Turbu- lenz gängiger Gags, die bisweilen sogar Bergriesen in die Lüfte jagen oder die beiden wider Willen als indische Seil- trick-Künstler auf die Variete-Bühne treiben. Natürlich werden sie schließlich doch die Gangster los, die ihnen stän- dig auf den Fersen sind auch wenn zuvor einige Hosen platzen müssen und den komischen Helden andere Wider- wärtigkeiten zustoßen, die dem Publikum zur besten Freude gereichen. Die Regie von Mal St. Clair und Alfred Wer- kerhält auf Tempo und Situationskomik, so daß anspruchs- lose Lacher durchaus auf ihre Kosten kommen.

Eine Produktion der 20th-Century-Fox im Verleih der Centfox, in deutscher Sprache (niveaugerecht nachsynchro-

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nisiert). Jugendfrei und Feiertagsverbot. Länge: 2616 Meter, Laufzeit: 96 Minuten. Düsseldorfer Interessentenvorführung im Europa-Palast am 25. Juni 1951. Deutsche Erstauffüh- ung in Kürze. K.0.C.

Dietz . Aufstand im Zuchthaus (Muting in the Big House)

Sie hat ohne Zweifel etwas Bestechendes an sich, diese Art des amerikanischen Kriminal-Dokumentarfilms in sei- ner Präzision und Realistik. „Aufstand im Zuchthaus”, der

Verstehende Güte und rohe Gewalt sih beim „Aufstand im Zuchthaus“, dem Monogram-Film, der nach den Begebenheiten eines Ge-

begegnen

fängnisaufstandes in Canon-City gedreht wurde. Barton MacLaneist der gewalttätige Anführer der Revolte, den mutigen Gefängnispriester verkörpert Charles Bick- ford, der für diese Rolle einen Oscar erhielt. Der packende Film lief soeben in Deutschland an.

Foto: Monogram-Dietz

nach einem der größten, aufisehererregendsten Gefängnis- aufistände der amerikanischen: Geschichte, der Revolte in Canon City am 3. Oktober 1929, gedreht wurde, zeigt und das sei hier lobend erwähnt nicht althergebrachtes Klischee mit brutaler Zuchthausatmosphräe, sondern eine Handlung mit einer: warmen, menschlichen: Note, die, von Vater Joe (Charles Bickiord) ausstrahlend, sich durch den ganzen Film zieht.

Thema: Johnny (Dennis Moore), ein junger Mann, der wegen eines relativ geringen Vergehens ins Gefängnis ein- geliefert wird, muß trotz aller Versuche des Gefängnis- priesters, der sich für Neuankömmlinge besonders verant- wortlich fühlt, die Zelle mit Red Manson (Barton Mac- Lane), einem kaltblütigen Verbrecher, teilen. Uberra- schend bricht. der Aujistand, geleitet von Red, los. Im Maschinenraum werden die Wachen überwältigt und der Gefängnisleitung ein Uliimatum gestellt. Vater Joe, von allen außer Manson aeliebt, rettet durch sein todesmutiges Eingreifen die Situation, nachdem schon zwei Gefängnis- beamte erschossen wurden, und verhütet somit ein größeres Bluivergießer. Johnny, der sich seinen guten Kern auch hinter Zuchthausmauern bewahren konnte, wirit sich im letzten Augenblick vor den Priester, ehe Manson auf ihn schießen kann. In einem tollkühnen Kampf gelingt es dem Priester .und dem verletzten Johnny sowie den überleben- den Wachen, den Aufstand niederzubrechen.

Das Geschehen, das auf jegliche weiblichen Darsteller verzichtete, operiert ohne eigentliche Stars, Was hier an gutem schauspielerischem Können gezeigt wird, findet seine Betonung noch durch die geschickte Regie von William Nigh und in einer ausgezeichneten optischen Einfühlung (Kamera Harry Neumann) in das Milieu. Der Film, in einer guien deutschen Bearbeitung der Internationalen Filmuniori Remagen, hat daher alle Voraussetzungen, als „Männerfilm“ vorteilhaft durch die Theater zu gehen,

Ein Monogram-Film im Anton E. Dietz-Veirleih. Länge: 2360 m, Vorführdauer: ca. 88 Min. Deutsche Erstaufführung am 3. 7. 51 im Filmtheater am Bahnhof in München.

Weigl

für alle‘ Kreise

.— für ‚alle Theater "ZDORING- FILM

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KColambia { Graf Cagliostro

. (Cagliostro)

Die Halsbandaiffäre sollte eine Verfilmungsschonfrist er- halten. Nach der. vieldiskutierten iranzösischen Version („Das Halsband der Königin“) und dem „Marie Antoinette*- Film der. Metro hätte man bereits aui das vorliegende Werk verzichten können. Es ist ein üppig ausgestaitetes Spektakelstück, in dem die Hypnose eine bedeutsame Rolle spielt und das. ohne Rücksicht auf historische Zusammen- hänge konstruiert wurde,

Die Tatsache, daß sich Orson Welles für die Dar- stellung der Titelfigur zur Verfügung stellte, spricht nicht gerade für sein künstlerisches Verantwortungsgeiühl. Auch er vermag nicht das Interesse für den Film bis zum Schluß. titel wachzuhalten. Regie: Gregory Ratofi, Kamera: Ugo Arata und Anchise Brizzi.

Produktion: Edward Small, Verleih: Columbia, Spielzeit 103 Minuten. Deutsche Erstaufführung Anfang Juli 1951 im Europa-Palast.in Düsseldorf. FS-Entscheid liegt noch nicht vor. Cormo

Nordmark und Rhenus

Der Doppeladler (L’Aigle a deux Tetes)

Wir würdigten dieses eigenwillige Filmwerk Jean Cocteaus bereits ausführlich in Nummer 20/49 nach ‘seiner deutschen Erstaufführung in der fran- zösischen Originalfassüung mit Untertiteln im Ber- liner Marmorhaus, so daß uns heute nur die Be- urteilung der deutschen Fassung angele- gen sein känn.

„Der Doppeladler“ ist verfilmtes Theater, dessen sophi- stische Dialoge mit den anerkennenswerten Bemühungen einer filmischen Kameraführung keinen Einklang findet, so daß der Zuschauer vor die unglückliche Alternative gestellt wird, ob er Bild oder Text seine größere Auimerksamkeit schenken will. Der geistige Höhenflug der Cocteauschen Werke steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu der von Leidenschaft und Gefühlen ausgelösten Handlung, die deshalb trotz ihrer dynamischen Dramatik nicht die Herzen anspricht. D

Conrad von Molo und Risle-Films waren sich der

. Schwierigkeiten und Gefahren ihrer Synchron-Auigabe offensichtlich nicht bewußt, denn wie wäre es sonst denk- bar, daß z.B. die Königin (Edwige Feuillere), den Dolch des geliebten Anarchisten (Jean Marais) im Rücken, sich ihm zuwendet und sagt: „Vielen Dank, Liebling!“ Uber die Lachsalve des Publikums kann man sich schwerlich wundern,

Obwohl diese Filmtragödie weniger transzendent ist als Cocteaus, „Orpheus“, wird sie nur ein anspruchsvolleres Publikum befriedigen. Zuvor aber bedarf die deutsche Fassung einiger Korrekturen, sowohl im Dialogbuch als auch in der Sprechregie.

Eine Produktion der Ariane-Films, Paris, im Nordmark- Filmverleih (für Nordrhein-Westfalen Rhenus). Länge: 2499 Meter, Laufzeit: 92 Minuten. Jugend und feiertagsfrei. Interessentenvorführung im Düsseldorfer Alhambra-Theater am 3. Juli 1951, :

Paramount

Bengali

(The Lives of a Bengali Lancer)

Ein junger englischer Offizier wird in einen entlegenen bengalischen Truppenstützpunkt beordert. Der Komman- dant, von seinen Offizieren „Befehls-Roboter“ tituliext, ist sein Vater. Persönliche und menschliche Regungen zeigt er niemals nach außen bedingungsloser Gehorsam, restlose Pflichterfüllung bis zum Letzten, Dienst ist Dienst und ähnliche Schlagworte, die uns noch unangenehm in den Ohren klingen, sind seine Prinzipien; ja mehr noch: er ist dieses Prinzip in Person! Zwei andere Offiziere nehmen sich des noch zartbesaiteten Neuankömmlings an, sozusagen den Vater ersetzend. Durch ein leichtsinniges Abenteuer gerät der Junge in die Hände eines aufsässigen Eingeborenenfürsten, der damit den „Alten“ erpressen will, Die beiden Kameraden wollen den Gefangenen be- freien, werden aber ebenfalls erwischt. Unter der Folter ‘« verrät der Junge die Route eines Waifentransportes. Dex Überfall der Inder gelingt, aber die englischen Truppen antworten mit der Bestürmung der Eingeborenen-Festung, deren Eroberung durch heldenhaiten Einsatz der drei Offi- ziere schließlich gelingt,

Die Regie von Henry Hathaway, mit sehr beweg- licher Kameraführung gepaart, übertrifft sowohl an sen- sationeller Spannung als auch an dramatischer und atmo- sphärischer Dichte die meisten Filme ähnlicher abenteuer- licter Themen. Die Darsteller („Bengali“ nannte man be- reits früher den „Film ohne Frauen“) Gary Cooper, Franchot Tone, Rihard Cromwell und Sir Guy Standing zeigen ausnahmslos hervorragende Charak- terprofile. Auch die deutsche Nachsynchronisation und schließlich alle übrigen Beteiligten an diesem großen Film sind zu loben.

Der Neuaufführung im Bundesgebiet darf man qute Kas- sen prophezeien, denn dieses Werk mit hohen filmischen Qualitäten packt jeden Zuschauer, ja, er packt selbst jene, die ven einem militärischen Heldenepos nicht gepackt sein mörhten! Das erhöht seine Gefahr der militaristischen Tendenz.

Eine Produktion der Paramount im eigenen Verleih in deutscher Sprache. Jugend- und feiertagsfrei. Länge: 2600 Meter. Laufzeit: 95 Minuten. Massenstart in Kürze.

Bei früherer Gelegenheit definierte die Freiwillige Selbst- kontrolle ausführlich die Begriffe „militärisch“ und „mili- taristisch“. Filme militärischer Prägung sollten demnach zugelassen werden militaristische nicht. Inzwischen ist trotz der aktuellen Remilitarisierungs-Debatte offiziell von Änderungen in den Regeln der FS nichts bekannt gewor- den, so daß es nun an Schloß Biebrich wäre, den Beweis anzutreten, daß „Bengali“, der als letzter amerikanischer Film nach dem Kriegseintritt Englands 1939 in Deutschland verboten wurde, militärisch, nicht aber militaristisch sei. Bei dieser Gelegenheit könnte vielleicht auch noch das unlängst ergangene Verbot des „Etappenhasen“ berücksich- tigt werden. „Bengali“ erlaubt „Der Etappenhase“ ver- boten! Man wird noch immer nicht das Gefühl los, daß deutsche und ausländische Filme mit verschiedenen Zoll- stöcken gemessen werden. Karl-Otto Gebert

Zwei Filme der Deutschen Commerz

Nachtrag zur Kritik in Nr. 25/51: Zwei Filme der M.u.M. Alexander Production im Verleih der Deutschen Commerz- Film. „Geheimnis der toten Stadt“: Länge 1900 m, Vorführ- dauer: 70 Min. Deutsche Erstaufführung am 1. 6. 51 in den Gabriel-Lichtspielen in München. „Gauner, Gold und Wilder Westen“: Länge 2809 m, Vorführdauer: 103 Min. Deutscha Erstaufführung am 5. 6. 51 im Großkino Kongreß-Saal in München.

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Produktion mit bürokratischen Kreislaufstörungen

Die leider immer noch anhaltenden Schwierigkeiten bei der Filmfinanzierung in der Bundesrepublik und West-Berlin und die dadurch meist leeren Ateliers haben bei einem großen Teil der davon Betroffenen eine Lethargie erzeugt, die man nicht zu Unrecht mit der in den ersten Monaten nach der Kapitulation vorherrschend gewesenen Stimmung vergleichen kann. Ein Hamburger Produktionsleiter erzählt nachfolgend frei und unge- schminkt, wie man in dieser Situation „Filme machen muß.“ si

Alle mit bester Absicht gegebenen Bundes- und Landesbürgschaften haben nicht vermocht, die Krise zu überwinden. Denn eine Bürgschaft bedeutet ja nicht Geld an sich! Solange die Pro- duktion Zinsen für die zur Herstellung eines Films notwendigen Gelder aufbringen muß, die oft zehn und mehr Prozent über dem Diskont- satz liegen, solange 25 Prozent Vergnügungs-

steuer bei den Filmtheatern und fehlender wirk-

samer Schutz des deutschen Films gegenüber dem Massenaufgebot ausländischer Filme die Wiedereinbringung der Herstellungskosten eines Films um 12 bis 16 Monate gegenüber früher verzögern, solange der Film-Export Glückssache und die überspitzte Dekartellisierung Tatsache bleiben, solange wird sich keine umfassende Besserung in der Filmwirtschaft vollziehen!

Herr X., einer von den „Kleinen“, aber ein alter Fachmann, wollte gern im: größeren Rah- men, aber er konnte, er durfte nicht. So mie- tete er sich ein kleines Büro, engagierte, sich seine paar Mitarbeiter und begann mit wenig Geld.

Es dauerte drei Monate, es dauerte sechs Mo- nate. Jeden Ultimo wurden die paar Gehälter fällig, die Steuern zahlte er schon vom ersten Tage an. Was so drum und dran hing, sum- mierte sich mit der Zeit. Die ersten Sorgenfaken kamen. Endlich nach sechs Monaten war er so- weit. Herr A. hatte den ihm zusagenden Stoff, der verhältnismäßig preiswert zu machen sein durfte, gefunden. Es war April. .

Herr A. ging mit Hochdruck an die Arbeit! Nach Wo- chen und vielen Reisen (denn wir sind ja dezentralisiert) fand er einen Verleiher, dem der Stoff gefiel und der noch nicht „voli“ war. Herr A. wollte schon aufatmen. Hatte er doch, Reisen sind ja nicht billig, inzwischen einige tausend Mark zum „Vorzugskurs“ von 12 Prozent Zinsen auf seinen Betrieb aufnehmen müssen, um durchhalten zu können. Doch zum Äufatmen war es noch zu frühl Der Kampf mit dem Verleiher war hart. Nach langem Hin und Her einigte man sich auch über die Höhe der Verleiherwechsel und das Auswertungsverhältnis. Parallel lief der Antrag auf Er- teilung der Bundesbürgschaft für den Film, die erieilt wurde. Jetzt konnten sich gewisse Leute, die davon ihre Finanzierungszusagen abhängig gemacht hatten, nicht mehr „drücken“, glaubte Herr X. Weit gefehlt!

Infolge der bei all diesen notwendigen Wegen und Verhandlungen verstrichenen Zeit war die Situation auf dem Geldmarkt inzwischen völlig verändert und die ursprünglichen Ja-Sager schüt- telten jetzt verneinend ihr sorgenvolles Haupt. Was tun? Viel Arbeit und noch mehr Geld waren mit der Zeit in das Projekt gesteckt wor- den, Über den Zeitpunkt des Drehbeginns wagte Herrn A. schon niemand mehr zu befragen. Er selbst vermied es, überhaupt daran zu denken.

Was noch fehlt: ein „bißchen“ Geld

Die Vorbelastung wuchs weiter. Jedesmal mußten die nahezu 120 Positionen der Kalku- lation mit allen An- und Unterlagen neu durch- gerechnet und durchgesehen werden. Denn Ma- terialpreise, Löhne, Gagen usw. ändern sich heute jede Woche.

Weiterhin verfloß kostbare Zeit mit vergeb- lichen Bemühungen um das, was noch fehlte: das „bißchen“ Geld, um einen Film zu machen! Eines Tages riß Herrn A. die Geduld. Er geriet an einen Mann, der ihm das Geld besorgen konnte: gegen eine „angemessene” Vermitt- lungsgebühr! Und der Mann schaffte es! Mit Bundesbürgschaft und Verleihvertrag ging er los, zu den gleichen Leuten, die Herrn A. ab- gesprungen waren und brachte das Geld. Dieses Geld kostete viel Geld!

Aber jetzt konnte der Film starten. Der Film wurde sogar qut! Denn glücklicherweise war unser Herr X. ein bewährter Fachmann! Nur eines hatte nicht geklappt: Am 1. Juli hätte der Film beginnen sollen. Er begann am 1. Februar! Uraufführung war Ende April. Ein Jahr, nach- dem Herr A. seinen Stoff gefunden hatte! So war aus dem Sömmerfilm ein- Winterfilm und aus dem Wintergeschäft ein Sommergeschäft ge- worden. Und das war danach!

Inzwischen wartet Herr A. auf den Tag, an dem sein Film wenigstens die Herstellungs- kosten eingespielt haben wird. Den kühnen Ge- danken an einen bescheidenen Gewinn hat er längst aufgegeben.

So werden heute vielfach Filme gemacht! Ge- wiß gibt es Ausnahmen. Sie bestätigen die Regel. Muß es nicht bedenklich stimmen, daß eine Industrie, die ehemals der zweitstärkste Devisenbringer und schon immer einer der größten Steuerzahler war, unter den o. a. Um- ständen arbeitet, weil sie sonst ganz aus- der Volkswirtschaft ausscheiden müßte?

Dies allein sollte genügen, um die Leute zu widerlegen, die unter „Filmwirtschaft” nur einen kleinen und deshalb unbedeutenden Teil der Gesamtwirtschaft verstehen wollen! &

Wenn sich die berufenen oder weniger berufe- nen Stellen, die oft vom Film wie von einem ungeratenen Kind reden, das sich nicht einord- nen will, intensiver mit den Wechsel-Beziehun- gen und Wirkungen Filmwirtschait—Gesamt- wirtschaft beschäftigen würden, dürfte man sich gegenseitig bald besser verstehen. Eine bessere Zusammenarbeit wäre die selbstverständliche Folge. Darauf kommt es heute mehr denn je an.

-wege.

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DIE ERSTER 7 FILME. DER SAISON 195162

Angelika Helmut

a HAUFF - SCHNEIDER [Degen fın un Ki en

„Grünen Hölle” des Amazonas in die Hände der berüchtigten Kopfjäger

non Trevor

Be HOWARD

Auf; = / / jr 02 Jean höre diesesmal in einem

' großen Kriminalfilm voll Spannung ‘mit atemraubendem „Happy End”

Jean

KENT nen FARBFILM-

Tigetangel Gräfin

Sechs prachtvoll zündende Schlager gesungen v. Anneliese Rothenberger Stimmung - Schwung - Tempo

Margaret Dane

LOCKWOOD - (LARK

Lebensgofähnl

Margaret Lockwood als Spionin hinter dem „Eisernen Vorhang“ Ein gefährliches Spiel mit dem Leben

Dirk Joan

BOGARDE - RICE Verhrechen ohne Schüld

Die bezaubernde, durch viele Ver- öffentlichungen bekannte Joan Rice stellt sichdem deutschenPublikumvor

Rex Jean

HARRISON - KENT

Des letzte Sündenfall

Köstliche Abenteuer aus dem Leben

eines vergnügten Tunichtguts - Mit Lilli Palmer und Margaret Johnston

Jean - Ein sensationelles und erregendes' David ee FE Liebesdrama - Herbert Lom in einem Sl M MONS FARRAR Film mit kriminellem Hintergrund

Interessenten- „Vorführungen dieser Filme vom 30. Juli bis 2. August 1951 München schduhser Tor - Hamburg Atrium Lichtspiele - Düsseldorf Europa-Palast - Berlin Delphi- Filmpalast Vom 6. August bis 9. August: Frankfurt am Main Metro im Schwan

Film-Debatte an der Ruhr . fordert innere Wahrhaftigkeit

Vier Tage der Ruhrfestspiele in Recklinghausen standen auch in diesem Jahr im Zeichen des Filmes. „Der Film als gesellschaftsbildende Kraft“ war das leitende Thema der Vorführungen am Vormittag und der Dis- kussionen am Nachmittag. Am „round table“ bemerkte man: Alfred Greven (Produzent, Düsseldorf), Dr. Alexander Grüter (Verleiher, Hamburg), Dr. Walter von Hollander (Autor, Hamburg), Max Lipp- mann (Feiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft, Wiesbaden), Dr. Johannes Eckardt (Ver- band der deutschen Filmclubs, Augsburg), Dr. KarlPempelfort (Städtische Bühnen, Bonn), Prof. Dr. Wal- terHagemann( Universität Münster i. W.), Dr. Helmut Körnig (Vorstand des Deutschen Gewerkschafts- bundes), Erika Beyfuß, Walter Nürnberg und Hans Gerhard Bartels (Fachgruppe Film der

Gewerkschaft Kunst im DGB) sowie die Filmjounalisten Dr. Hannes Schmidt, Herbert Seggelke, |

Dieter Fritko, Wilhelm Mogge und Georg Michael Bartosch.

Vertreter des Deutschen Bundestages (Dr. Rudolf Vogel und Karl Brunner waren angekündigt) sowie die eingeladenen Filmregisseure Dr. Harald Braun, Helmut Käutner, Woligang Liebeneiner, Franz Cap und Volker von Collande waren nicht erschienen. Seggelke bemerkte hierzu, daß die Palmen von Cannes offensichtlich stärkere Anziehungskraft hätten als die Schornsteine von Recklinghausen.

Der Nordwestdeutsche Rundfunk nahm die ganze Diskussion auf Band auf und brachte Ausschnitte zur

Sendung.

Der soziale Film

Unter dem Motto „Der soziale Film” brachte der erste Tag „DasHausderSehn- sucht“ (Rank) (Kritik siehe „Die Filmwoche* 30/50) und „Irgendwo inEuropa“ (Nord- mark/Rhenus) (Kritik siehe „Die Filmwoche” 31/50). Die Filme, die leider weitgehend un- bekannt sind, hinterließen auch hier einen sehr starken Eindruck und schienen die Absicht zu rechtfertigen, daß soziale Filmthemen eine ge- niale Gestaltungskunst von allen schöpferisch Beteiliaten als erste Voraussetzung verlangten (Lippmann). Jedoch müsse die Handlung nicht unbedingt im Arbeitermilieu spielen (Greven). Auch der soziale Film müsse sich vor der Ten- denz hüten, weil das Publikum den pädagogi- schen Zeigefinger ablehne. Der Film sollte das Leben widerspiegeln, das nicht tendenziös, son- dern umfässend sei. Man sollte sich der ur- sprünglichen Wortbedeutung (socius = Genosse) erinnern, die das gesamte menschliche Zusam- menleben beinhalte. Danach sei eigentlich jeder Film „sozial“, sofern er nicht zur Kategorie der lebensfremden „Traumfabrik“ gehöre, deren Ge- fahr man weder über-, noch unterschätzen solle (vonHollander). Tendenz habe schließlich jeder Film, sogar manches Lustspiel darauf komme es weniger an, zumal Filme wie „Panzerkreuzer Potemkin“ oder „Metropolis“ beispielhaft be- wiesen hätten, daß auch Tendenzfilme Geschäfts- erföülge werden können. Allerdings dürfe die Tendenz nicht in faustdicke Propaganda aus- arten (Hagemann). Der soziale Film.sei im all- gemeinen wirkungsvoller, wenn seine Handlung verschiedene Gesellschaftsschichten kontrastiere als wenn sie in einem einzigen Gesellschafts- milieu spiele (Körnig). Als ein Vorbild des so- zialen Filmes müsse man Julien Duviviers letz- ten Film „Unter dem Himmel von Paris“ würdi- gend anerkennen (Schaarwächter).

„Der gefährliche Film“

wurde mit den Beispielen „Der Würger“ (Omnium) (Kritik siehe „Die Filmwoche“ 32/49) und „Manon“ (National) (Kritik siehe „Die Filmwoche” 49/50) beleuchtet. Hier ‘gingen die Meinungen sehr weit auseinander, wobei die Freiwillige Selbstkontrolle wiederholt stark at- tackiert wurde. Für die Zulassung des „Wür-

Die ‚liebes- und lebenshungrige Alice betrügt ihren Mann, den Juniorchef eirfes großen Industrie werks, Richard Jansen mit seinem Freund Freddy. Eine Szene aus dem Elton-Film „Was das Herz befiehlt“ mit Viktor Staal, Ilse Steppat und Wolfgang Luschy. Foto: Elton/Constantin/Lindner

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gers", der zweifellos ekelerregende Szenen prä- sentiere, war allerdings seinerzeit noch die Bri- tische Filmkontrolle zuständig, die bekanntlich noch nicht einmal ein Jugendverbot praktizierte. Der Film wäre von der FSK vermutlich nicht freigegeben worden. Bemerkenswert ist die Ein- stufung dieser Filme im katholischen „Film- dienst“: „Der Würger“ = 2EE (für Erwachsene geeignet mit erheblichen Einschränkungen, dar- um nur für urteilsfähige Erwachsene), „Manon" = 4 (Abzulehnen. Bekämpft indirekt oder di- rekt Glauben. oder Sitte). Die Meinungsäußerun- gen zum „gefährlichen Film“ können wie folgt zusammengefaßt werden: Man sollte die „Ge- fahr“ bei Wild-West- und Abenteurerfilmen so- wie bei konfektionellen Kriminalreißern nicht überschätzen. Sie können vielleicht an sich schon haltlos- Individuen ungünstig beeinflus- sen. Weitaus gefährlicher sind Filme, in denen Verbrecher heroisiert werden.

Grundsätzlich ist die in Recklinghausen mit Nachdruck vorgebrachte Forderung der Verant- wortung gegenüber der Öffentlichkeit nicht nur verständlich, sondern auch berechtigt, Als

Vertreterin der öffentlichen Meinung dürfte die,

Verpflichtung der FSK gegenüber der Offent- lichkeit keinem Zweifel unterliegen.

Der künstlerische Film

Am (dritten Tage, der den „künstlerischen Film“ herausstellte, konnte bedauerlicherweise nur Jean Cocteaus neuester Film „Orphee* (Ring) (Kritik siehe „Die Filmwoche“ 42/50) ge- zeigt werden,da „DieMännervonAran*“ unverständlicherweise in letzter Sekunde von der Verleihfirma zurückgezogen wurden.

Das breite Publikum sei für den künstleri- schen Film noch nicht reif. Andererseits gäbe es doch einige Beispiele dafür, daß auch der künst- lerische Film Erfolg haben könne. Dies könnte nur gebessert werden, wenn Film bereits in.den Volksschulen Unterrichtsfach wäre (Seggelke). Man solle das Philosophenwort „Die Masse denkt in Bildern”, das verwunderlicherweise im gleichen Jahre der Entdeckung der Kinemato-

graphie geprägt wurde, endlich ernst nehmen. Es sei eine beschämende Tatsache, daß die Kul- tusministerkonferenz der Länder für die gesamte Schulfilm-Produktion des vergangenen Jahres nicht mehr als 200000 DM zur Verfügung ge- stellt'habe. Der Staat verkenne die große Be- deutung des Filmes in den Schulen. Der letzte Tag brachte fraglos das heikelste Thema und die hitzigste Diskussion

„Film als politisches Rauschgift“

Wochenschauen und die genau zwanzigjährige Militär-Groteske „Das Ganze halt!“ (Ori- ginaltitel: „Reserve hat Ruh!“) (Adler) (Kritik siehe „Die Filmwoche“ 3/51) dienten als An- haltspunkte. Dr. Eckardt vermittelte der FSK eine Abstimmung der Anwesenden. Ergebnis: eine Stimme dafür (jedoch nicht der FSK-Ver- treter!), zwei Stimmenthaltungen und schät- zungsweise dreihundert Stimmen dagegen! Eine bunte Parade ähnlicher Filmtitel marschierte vorbei. „Pralinen mit Giftfüllung!“, kommen- tierte Dr. Schmidt. Herr Lippmann wußte dem wenig Überzeugendes entgegenzuhalten: Immer-

‘hin seien jetzt „Der Etappenhase“ und „Ihr ‚Leibhusar“ verboten worden. Zwischenruf: Auf

wielange?! Lippmann: Man müsse sich der Zeit anpassen. Zwischenruf: Aha!! Entgegnung: In dieser Beziehung könne man zwar geteilter Meinung sein, aber dann wäre wohl zunächst eine offizielle Änderung der Prüfungsvorschrif-

. ten der FSK notwendig. Man könne nicht fort-

laufend stillschweigend Entscheidungen fällen, die den eigenen Prüfungsvorschriften dieser In- stitution zuwiderliefen. Ein junger Gewerk- schaftler: Wir wehren uns dagegen, daß durch Militärgrotesken die bittere Notwendigkeit des Soldat-Sein-Müssens einerseits verharmlost und andererseits lächerlich gemacht wird und daß durch andere Filme Heroismus in einer Form serviert wird, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Dr. Schmidt: Wir sind keineswegs gegen alle Kriegsfilme, aber sie müssen wahr sein! Und dann sind sie schauderhaft brutal und grau- sam. Diese Kriegsfilme wollen wir sehen, denn sie wirken letztlich völkerverständigend, weil sie die Sinnlosigkeit der Kriege geißeln. Wo bleibt z.B. „Im Westen nichts Neues“? Solche Filme tun uns not neben „Die große Illusion“ und „In Frieden leben“!

Schließlich unterzog man auch die gegenwärti- gen Gestaltungsformen der vier Wochenschauen einer kritischen Analyse. Die Wochenschauen sollten ebenso: wie es von einer guten Zei- tung verlangt wird —.Nachrichten und Kom- mentare auseinanderhalten. Eigentlich sollten sich die Wochenschauen nur mit Nachrichten und nicht mit Kommentaren befassen. Die Wo- chenschauen seien zu lüstern auf effektvolle Sensationen. Sie zeigten wohl das Gesicht der Politik, aber nicht ihr inneres Wesen. Man höre fortwährend große europäische Worte, aber man sehe keine europäischen Taten auf der Leinwand.

K.0.C.

Starker Andrang nach Berlin

Mit einem Schlage hat sich das Blatt in den Berliner Ateliers gewendet. Es herrscht sowohı in Tempelhof als auch in Spandau starke Nach- frage nach Produktionsmöglichkeiten, vor allem auch von Seiten auswärtiger Produzenten. In Tempelhof begann am 9. Juli der Bau zu dem neuen Film der Apollo „DurchDickund Dünn“, schon kurze Zeit später wird hier Carl Froelich mit dem Artistenfilm „Torreani” einziehen und Ende des Monats wird de Mun- dus-Film aus Österreich erwartet, die eine Interessengemeinschaft mit der Berolina ein- gegangen ist und in Tempelhof die Atelierauf- nahmen zu „Tanz ins Glück“ drehen wird.

„Hoffentlich“, sagt Atelierleiter Kandziora, „hält diese starke Nachfrage an und es handelt sich nicht nur um eine vorüberziehende Hausse.“

Nun, in Berlin tauchen zur Zeit auswärtige Produzenten am laufenden Bande auf. Sie sind schwer belastet mit Plä- nen, die sie hier realisieren möchten, teils mit städtischer oder bundesstaatlicher Hilfe, teils aber auch unabhängig. Man scheint auch bei den Berliner Produktionsfirmen, die bislang noch nicht zur Arbeit kamen, sondern ihre Zeit in immerwährenden Verhandlungen erschöpfen mußten, zu der Einsicht gekommen zu sein, daß die Ausfallbürgschait nicht der allerletzte Rettungsanker ist. Wir wissen von jungen Unternehmen, die durch äußerste Sparsamkeit be- reits den Grundstein für eine erste Produktion finanziell legten und die sich bemühen, auf privater Basis den rest- lichen erforderlichen Kredit zu erhalten. Und da bekannt- lich sich Filme in Berlin immer noch billiger herstellen lassen als anderswo in Deutschland, da diese Filme zudem in Westdeutschland umsatzsteuervergünstigt sind, läßt sich der augenblickliche Aufwind für Berlin durchaus verstehen.

Erfreulicherweise wird auch in den CCC-Ate- liers in Spandau seit dem 12. Juli wieder ge- arbeitet. Zunächst ist es der Stemmle-Film „Sündige Grenze“ {Prisma- Verleih), der hier ins Atelier gegangen ist.

Der „Sündigen Grenze“ wird auf dem Fuße der Echo-Film „Königin einer Nacht” (Allianz- Verleih) folgen, in dem Ilse Wer-

.ner erstmals wieder seit Kriegsende nach Ber-

lin verpflichtet wurde. H.R.

Eine Kindernärrin muß das sein, sich gleich drei Rang&n aus dem Waisenhaus mitzubringen, um sie zu adoptieren, Infihrem neuen Film „Mutter sein dagegen sehr“ verfährt Ise Werner so großmütig, allerdings nicht ohne damit einen Konflikt mit ihrem Verehrer heraufzubeschwören. Foto; Allegro/Siegel Monopol/Ewald

Die Wissenschaft vom Zuschauer Wertvolle Erkenntnisse der Düsseldorfer Tagung für Filmpsychologie

Vor etwa 300 Interessenten und Ehrengästen hielt die Arbeitsgemeinschaft der Filmjourna- listen Nordrhein-Westfalen eine „Tagung für Filmpsychologie“ ab, auf der namhafte Sach- kenner wertvolle Erkenntnisse vermittelten. Als erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft un-

terstrich Dr. Hannes Schmidt in seinen Be--

grüßungsworten die Notwendigkeit der film- psychologischen Forschung, deren Nutzen sich in der praktischen Anwendung erweisen würde.

Nachdem Prof. Dr. Wilhelm Lejeune (Uni-

versität Bonn) die Frage „Ist eine Filmpsycholo- gie möglich?“ bejahend beantwortet hatte, er- läuterte H. C. Opfermann (Düsseldorf), der sich bereits vor fünfzehn Jahren den Fragen der Filmpsychologie zuwandte, „Die.praktische BedeutungderFilmpsychologie für die deutsche Filmindustrie und für den geschäft- lichen Filmerfolg“.